SCHWARZGELD IM NACHLASS

28.05.2018

Nicht selten gehören unversteuerte Vermögenswerte zum Erbvolumen. Schnell

machen Erben sich mitschuldig und können selbst wegen Steuerhinterziehung

belang werden. Was Erben bei zweifelhaftem Vermögen tun sollten

 

Text: Dr. Anke Warlich und Dr. Franz W. Brunn, BKL Fischer Kühne + Partner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Anke Warlich                                                                                Dr. Franz W. Brunn

 

 

 

Die Vererbungswelle rollt. Nach aktuellen Berechnungen werden jedes Jahr bis zu 400 Milliarden Euro vererbt und verschenkt. Eine Erbschaft birgt mitunter erhebliche Risiken. Nicht selten gehören auch Schwarzgelder zum Nachlass. Hierzu zählen nicht nur heimliche Gelder auf Auslandskonten und -depots. Auch Ferienimmobilien stehen unter Generalverdacht. Obendrein prüfen Finanzbeamte, ob bereits länger zurückliegende Verm.gensübertragungen oder Umfirmierungen zu unversteuerten Einnahmen geführt haben. Das Phänomen „Schwarzgeld im Nachlass“ gewinnt an Bedeutung. Zwar wollen viele Best Ager im Zuge der Nachfolgeplanung reinen Tisch machen. Doch die stark verschärften Regeln für Selbstanzeigen bremsen viele Steuersünder aus. Die Folge: Viele Erblasser „vererben“ steuerliche Probleme an ihre Nachkommen. Gleichzeitig steigt mit dem automatischen Informationsaustausch von Bankdaten das Entdeckungsrisiko für alle Beteiligten an.

 

Tücken beim Nachlass

Wenn Erben den Nachlass nicht ausschlagen, übernehmen sie alle steuerlichen Rechte und Pflichten des Verstorbenen. Sie haften für dessen Steuersünden, in der Regel auch mit ihrem eigenen Vermögen. Neben den hinterzogenen Steuern sind auch Hinterziehungszinsen von sechs Prozent im Jahr fällig.  Sobald Erben Kenntnis über unversteuertes Vermögen erlangen, müssen sie unverzüglich handeln und die Steuerhinterziehung anzeigen. Sonst machen sich Erben mitschuldig und können selbst wegen Steuerhinterziehung belangt werden. Kommt es zu einer rechtskräftigen Verurteilung, drohen weitere Sanktionen. Dazu zählen die Entziehung der Approbation bei Ärzten, der Verlust von Pensionsansprüchen bei Beamten oder das Aberkennen von gewerberechtlichen Genehmigungen. Nur selten haben Erblasser ihre zukünftigen Erben über alle Chancen und Risiken rund um den Nachlass informiert. Viele Nachlässe entpuppen sich als Überraschungspaket. Begünstigte erben womöglich einen Nachlass mit weitreichenden Nachwirkungen. Begünstigte sollten sich umgehend selbst einen Überblick über die Zusammensetzung des Nachlasses und die steuerlichen Ungereimtheiten verschaffen. Die Zeit drängt: Wenn Hinterbliebene ihr Erbe nicht innerhalb von sechs Wochen ausschlagen, werden sie in der Regel zu rechtskräftigen Erben.  Schwarzgelder im Nachlass sind nicht immer leicht zu erkennen. Naturgemäß bleiben unversteuerte Vermögenswerte im notariellen Testament gerne unerwähnt. Klarheit über die Existenz von Schwarzgeld verschafft nur eine eingehende Prüfung. Es ist dringend ratsam, alle Bankunterlagen des Erblassers über den steuerlich relevanten Zeitraum gründlich zu kontrollieren (siehe Infokasten „Schwarzgeld hat viele Gesichter“).

 

Anzeige- und Erklärungspflichten beachten

Entdecken Erben unversteuertes Vermögen, müssen sie mehrere Punkte beachten und zügig umsetzen. Zum einem müssen sie eine korrekte Erbschaftsteuererklärung abgeben oder eine bereits abgegebene Erklärung korrigieren. Zum anderen müssen sie die Steuererklärungen für den Erblasser berichtigen – und zwar gleichzeitig mit der Erbschaftsteuererklärung. Sonst droht eine Kontrollmitteilung des zuständigen Finanzamts für die Erbschaftsteuer an das Finanzamt des Erblassers. Die steuerliche Verjährungsfrist im Falle einer Steuerhinterziehung beträgt zehn Jahre. Sie beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuererklärung eingereicht wurde. Hat der Erblasser seine Steuererklärungen sehr spät oder überhaupt nicht abgegeben, verlängert sich der Berichtigungszeitraum auf bis zu 13 Jahre. Bei einer verspäteten Korrektur der Steuererklärungen des Erblassers, begehen die Erben selbst eine Steuerhinterziehung. Obendrein müssen Erben ihre eigenen Steuererklärungen durch eine Berichtigungserklärung korrigieren. Steht der Vorwurf einer Steuerhinterziehung im Raum, ist unter Umständen auch eine Selbstanzeige ratsam. Damit eine strafbefreiende Wirkung eintritt, sollten Betroffene eine Selbstanzeige stets sorgfältig vorbereiten.

 

Fallstrick Erbengemeinschaft

Erhöhte Vorsicht ist bei Erbengemeinschaften geboten. Miterben können grundsätzlich nur gemeinschaftlich entscheiden. Durch die Anzeige nur eines Betroffenen kann es zur Aufdeckung der Tat kommen, was den Miterben eine strafbefreiende Selbstanzeige verwehrt. Nur wer gemeinsam handelt, kann Straffreiheit für alle Erben erreichen. Erben sollten schon bei dem geringsten Verdacht auf Schwarzgeld umgehend einen erfahrenen Juristen oder Steuerexperten hinzuziehen. So gewinnen Hinterbliebene Klarheit und können zügig die erforderlichen Maßnahmen in die Wege leiten. Um unkalkulierbare Risiken zu vermeiden, kommen in bestimmten Fällen auch eine Nachlassverwaltung oder eine Nachlassinsolvenz in Frage. So können Erben die Haftung auf den Nachlass des Verstorbenen begrenzen.

 

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