DAS ERBE ANGKOR

07.02.2017

Text von Alexander Schrehardt

 

In den letzten Jahren wurde Vietnam zu einem sehr beliebten Reiseziel gekürt. Der Charme der Vietnamesen, eine Vielzahl historisch bedeutsamer Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise die alte Kaiserstadt Hue, das zauberhafte Hoi An oder die magische Tempelstadt My Son, aber auch eine Vielzahl von hochkarätigen Wellness Hotels an Bilderbuchstränden locken jedes Jahr Millionen Besucher in das Land am südchinesischen Meer. Eine Reise nach Vietnam lässt sich sehr gut mit einem Besuch des benachbarten Kambodschas verbinden. Neben diversen Flugverbindungen kann man auch auf dem Wasserweg von Chau Doc in Südvietnam nach Kambodscha einreisen.

 

Mit dem Schnellboot geht es auf dem Mekong in wenigen Stunden nach Phnom Penh. Trotz der kurzen Reisezeit findet sich der Besucher in Kambodscha in einer anderen Welt wieder. Viele Menschen sind gegenüber ausländischen Besuchern sehr scheu und vor allem Kinder machen um die weißen Langnasen einen großen Bogen. Zur Einstimmung auf die bevorstehende Besichtigung der alten Stadt Angkor ist der lohnende Besuch des Nationalmuseums in Phnom Penh anzuraten, dessen Eingang von zwei riesigen Elefantenköpfen bewacht wird. Die im Nationalmuseum gezeigten Exponate vermitteln einen ersten Eindruck von der alten Hochkultur der Khmer und der in dieser Epoche geschaffenen Kunstwerke. Riesige Buddhastatuen und Wächterfiguren, aber auch hölzerne Abbilder von dem Himmelsvogel Garuda, Mobiliar aus früheren Zeiten, Bilder und Bronzeplastiken von Mitgliedern der Königsfamilie entführen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Im Museum Shop wird dann das Rad der Zeit wieder sehr schnell nach vorne gedreht. Die ausgestellten und zum Verkauf angebotenen Bücher thematisieren nicht nur die Geschichte, die Architektur und die Kunst der alten Khmer-Reiche, sondern auch die jüngere Geschichte Kambodschas. Die Geister des Diktators Pol Pot und seines menschenverachtenden Regimes sind auch heute noch in Kambodscha präsent und den von ihm und den Roten Khmer zu verantwortenden Massakern an der kambodschanischen Bevölkerung fielen in den Jahren 1975 bis 1979 in der Zeit des Steinzeitkommunismus geschätzte 1,6 Millionen Menschen zum Opfer.

 

Vor weiteren Besichtigungen sollte man mindestens eines der vielen Kinderprojekte in Phnom Penh besuchen. Ein besonderes Erlebnis sind die Vorführungen alter Apsaratänze bei der Champey Academy of Arts. Kinder und Jugendliche treten auf einer einfachen Bühne umrahmt von Rohrleitungen und Elektrokabeln auf. Auch wenn die Kulisse nicht besonders ansprechend ist, die Disziplin der jungen Künstler und die anmutige Vorführung der sehr ausdrucksstarken Apsaratänze ist es um so mehr. Eine Spende für den Unterhalt dieser Non-Profit-Initiative ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt alten Brauchtums

und ein kleiner Beitrag zur Würdigung der Anstrengungen und des Engagements der Initiatoren derartiger Projekte. Kambodscha ist ein sehr armes Land; so betrug das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2014 1.010,- $ (zum Vergleich: 47.640,- $ in Deutschland). Die Menschen ergreifen jeden Strohhalm um ein paar Hundert Riel (5.000 Riel entsprechen circa 1,10 €) dazu zu verdienen und das Auskommen ihrer Familien für den nächsten Tag zu sichern.

 

Vor der Weiterreise nach Siem Reap lohnt ein Besuch des Königspalastes. Die weitläufige, im 19. Jahrhundert erbaute Palastanlage hat die traumatische Gewaltherrschaft von Pol Pot und seinen Roten Khmer überraschend gut überstanden. Der Sitz der königlichen Familie kann heute in weiten Teilen

besichtigt werden. Im Vergleich zu den pompösen Residenzen der europäischen Fürstenhöfe tritt die Palastanlage vergleichsweise bescheiden auf. Auf einem an den Palast angrenzenden Areal trifft der Besucher auf die berühmte Silberpagode, die ihren Namen den 5.000 Silberfliesen, mit denen

der Fußboden bedeckt ist, verdankt. Eine lebensgroße, goldene und mit über 9.000 Diamanten geschmückte Buddhastatue unterstreicht die Bedeutung der Silberpagode und verleiht diesem heiligen Ort eine ganz besondere Ausstrahlung.

 

 

Von Phnom Penh geht es mit dem Flugzeug weiter nach Siem Reap, Ausgangsstation für eine Besichtigung des alten Angkor. Das einstmals verschlafene Provinznest ist in den letzten Jahren überproportional gewachsen. Hotels und Baustellen für weitere Touristenunterkünfte, unzählige Bars und Restaurants flankieren die Hauptstraßen und werben um die Gunst der Touristen. Im alten Stadtkern von Siem Reap findet sich noch teilweise der Charme alter Zeiten und bei einer Tasse Tee kommt man auch mit den Bewohnern der Stadt ins Gespräch. In keinem Fall sollte man einen Besuch der Ausstellung der Artisans d’Angkor versäumen. Gegründet als soziale Initiative mit dem Ziel jungen Menschen eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz zu sichern, beschäftigt Artisans d’Angkor heute über 1.100 Mitarbeiter und sichert damit vielen Familien ein geregeltes Einkommen. Die Arbeiten der zumeist jungen Künstler reichen von ausdrucksvollen Holzplastiken über filigrane Steinmetzarbeiten bis hin zu zauberhaften Seidenstoffen und fantatsievollem Kinderspielzeug. Bei einem Einkauf in den Ausstellungsräumen sollte man allerdings immer das zulässige Gewicht des Fluggepäcks bei der Rückreise nach Deutschland im Auge behalten. Vor allem Exponate aus Holz und Stein führen sehr schnell zu einem Gewichtszuwachs im zweistelligen Kilobereich und nachfolgend zu unangenehmen Überraschungen bei der Gepäckaufgabe am Flughafen.

 

Vor den Toren Siem Reaps liegt in wenigen Kilometern Entfernung der kulturelle Höhepunkt der Reise. In seinem 1868 postum veröffentlichten Reisebericht über seine Expeditionen durch das alte Siam, Kambodscha und Laos beschrieb der französische Forschungsreisende Alexandre Henri Mouhot die eindrucksvollen Tempelanlagen der Urwaldstadt Angkor. Die Mouhot zugeschriebene und von ihm nie beanspruchte Entdeckung des alten Angkor ist eine Legende. Die Stadt war nie verschwunden, aber sie war in Vergessenheit geraten und der Dschungel hatte weite Teile der alten Siedlungen und Gebäude zurückerobert. Nach umfassenden Bau- und Renovierungsarbeiten pilgern nun jedes Jahr zwei Millionen Besucher nach Angkor, dem Zentrum des alten Reichs der Khmer, das 1992 von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen wurde.

 

Für einen Besuch in Angkor sollte sich der Besucher entweder selbst sehr gut vorbereiten oder die Dienste eines professionellen Führers in Anspruch nehmen. Das Unternehmen Studiosus Reisen sichert neben einer perfekten und zeitsparenden Routenplanung auch eine Reiseleitung auf höchstem Niveau. Sofern der Besucher in Angkor sich nicht in die endlos erscheinende und in Trippelschritten durch die Tempelanlagen wälzende Touristenschlange einreihen möchte, garantiert die Professionalität eines erfahrenen Reiseleiters nicht nur ein Höchstmaß an Informationen, sondern auch eine weitgehende Umgehung des Heeres der Tagestouristen.

 

Mit Lothar Achterkamp, Studiosus-Reiseleiter mit Engagement, Herz und einer großen Portion Humor, wird ein Besuch von Angkor zu einem unvergesslichen Erlebnis. Kurz nach Sonnenaufgang am Morgen geht es mit batteriebetriebenen Fahrzeugen zur ersten Station einer dreitägigen Exkursion durch Angkor. In der noch angenehmen Kühle des jungen Tages begrüßt das riesige Steingesicht des Lokeshvara, dem Herrn der Welt, an einem der Stadttore im weichen Licht der Morgensonne die Besucher. Durch diese Stadttore, vier in den Achsen der Stadtanlage, oder durch das Siegestor betritt der Besucher die weitläufige Stadt Angkor Thom. In ihrer Blütezeit im 12. Jahrhundert sollen in Angkor Thom eine Million Khmer gelebt haben. Vor allem die monumentalen Tempelanlagen belegen heute noch eindrucksvoll den Aufstieg und die Bedeutung des Khmer-Reichs.

 

Das Zentrum von Angkor Thom wird von dem berühmten Bayon Tempel dominiert. Die Tempelanlage symbolisiert den heiligen Berg Mehru und wird auch als Bergtempel bezeichnet. Von den eindrucksvollen Tempeltürmen lächeln die bis zu sieben Meter hohen Gesichter des Lokeshvara milde herab und laden zu einem Besuch der imposanten, über mehrere Ebenen erbauten Tempelanlage ein. Bereits die äußeren Tempelmauern, ein Geschichtsbuch der Feldzüge von König Jayavarman VII., unterstreichen die Bedeutung des Bayons. Die sehr detailreichen Hochreliefs zeigen den Aufmarsch der schwer bewaffneten und von Kriegselefanten begleiteten Truppen des Königs auf ihrem Weg in die Schlacht gegen die Armeen der Cham.

 

 

Eine Besichtigung der Tempelanlage kommt einer Kletterpartie gleich. Die verschiedenen Ebenen des Tempels müssen über oftmals verschlungene Wege und steile Stufen erklommen werden. Aufwendige Steinmetzarbeiten und die überall präsenten Steingesichter des Lokesvhara, die nach der Meinung vieler Archäologen die Gesichtszüge von König Jayavarman VII. tragen, regen die Fantasie an und projizieren Bilder aus den Tagen der Regentschaft des großen Königs. Bei der Besichtigung der Tempelanlage sollte man eine Untersuchung unbeleuchteter Schächte und Aushöhlungen in den Mauern unbedingt vermeiden. Gelegentlich nutzen Schlangen diese Plätze als Ruheorte und fühlen sich durch eine tastende Hand unter Umständen gestört. Bei einem Besuch in Angkor entdeckte der Autor im Bayon eine Malayische Mokassinotter. Diese Vertreterin der Grubenottern überträgt bei ihrem Biss ein sehr potentes Schlangengift. Normalerweise sind die Tiere nicht aggressiv; sofern sie sich allerdings bedroht fühlen, wird ein Biss provoziert.

 

Wenn am späten Vormittag die Touristenströme über den Bayon herfallen, ist es allerhöchste Zeit sich zurückzuziehen. Bei einem frühen Mittagessen kann man die Flut der gewonnenen Eindrücke verarbeiten

und das gesammelte Bildmaterial sichten. Wenn die meisten Touristen in der Mittagszeit sich um die Plätze

in den Lokalen streiten, ist der richtige Zeitpunkt für einen Besuch des Tempels Ta Prohm gekommen.

Von allen Tempel Angkors dürfte der Ta Prohm die höchste Popularität haben. Angelina Jolie suchte als Lara Croft in dem Film Tomb Raider ein Stück des magischen Dreiecks in der Tempelanlage. Die im Film gezeigten Außenaufnahmen des Ta Prohm entsprechen der Realität. Von kräftigen Wurzeln gesprengte Mauern und von Bäumen durchwachsene Dächer sind das Gesicht des Ta Prohm. Hier haben die Archäologen der Natur ihren Lauf gelassen und sogar teilweise durch geschickte Eingriffe vom Einsturz bedrohte Mauern mit einem geführten Wuchs der Pflanzen stabilisiert. Während der Tempel in den Hauptbesuchszeiten von einem babylonischen Sprachengewirr eingehüllt wird, lotst Reiseleiter Lothar Achterkamp seine Gäste sehr geschickt zwischen den Touristenströmen am Morgen und Nachmittag durch die Tempelanlage. In der heißen Mittagszeit ist eine Besichtigung unter dem dichten Blätterdach des Dschungels sehr angenehm und die reich verzierten Friese der Tempelmauern und die anmutigen Devata Gottheiten können mit der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit bewundert werden.

 

Am nächsten Tag, wieder früh am Morgen, steht die vergleichsweise kleine Tempelanlage Banteay Srei auf dem Programm. Der sehr gut erhaltene und, wie eine Gründungsstele verrät, bereits im Jahr 967 fertiggestellte Tempel und seine Nebengebäude wurden nicht von einem Herrscher, sondern von zwei Brahmanen erbaut. Die beiden Brüder Yajnavaraha und Vishnukumara waren reiche Landbesitzer

und schufen als Bauherren eine der schönsten Tempelanlagen der Region. Über einen Prozessionsweg nähert sich der Besuch dem Tempel mit dem ihm gebührenden Respekt. Der Tempel umfasst drei Tempeltürme, sogenannte Prasats, die zu ihrer Linken und Rechten von den beiden Bibliotheken flankiert werden. Sowohl die Tempel- als auch die Fassaden der Nebengebäude sind mit einer Vielzahl von

sehr gut erhaltenen Figuren und Ornamenten verziert. Dieses Kleinod der Khmerarchitektur steht dabei in einem starken Kontrast zu den Monumentalbauten Angkors.

 

Jeden Tag werden in Siem Reap mit einer Vielzahl von Flugzeugen aus China und Japan tausende von Tagestouristen zueinem Kurzbesuch des Hauptheiligtums von Angkor, der berühmten Tempelanlage Angkor Wat, eingeflogen. Vor allem am Nachmittag, wenn die beeindruckende Westfassade des Tempels im weichen Licht der Nachmittagssonne erstrahlt, fallen die Touristenscharen in Angkor Wat ein. Reiseleiter Lothar Achterkamp beginnt seine Führung daher auf der entgegensetzen Seite und betritt mit seinen Gästen den Tempel durch den Osteingang. Während sich die Touristenflut in einer endlosen Schlange durch das Westportal in den Sakralbau drängt, begegnet man in den langen, mit zahllosen Reliefs geschmückten Säulengängen der östlichen Galerie nur einzelnen Besuchern. Angkor Wat ist ein magischer Ort: Nach einem ersten Rundgang sollte sich der Besucher auch einmal durch die Galerien, Bibliotheken, Nebengebäude, Torpavillions und um die Tempeltürme treiben lassen. Auf jeder Terrasse der Tempelanlage öffnet sich ein neuer Blick auf die einzelnen Gebäude und die Umgebung. Wenn die Tagestouristen am späten Nachmittag bereits wieder in Richtung des Flughafens von Siem Reap eilen, taucht die untergehende Sonne die Tempeltürme von Angkor Wat in ein weiches Licht, das diesen magischen Ort eine besondere Aura verleiht. Diese Bilder werden sich unauslöschlich in das Gedächtnis einbrennen und den Wunsch einer Wiederkehr begründen. In drei Tagen kann man von Angkor einen ersten Eindruck gewinnen und die Hauptsehenswürdigkeit besichtigen. Aufgrund der Weitläufigkeit der Stadt und der teilweise gut im Dschungel versteckten Gebäude sollten für eine umfassende Besichtigung fünf bis sieben Tage eingeplant werden.

 

Eine Reise nach Kambodscha lässt sich sehr gut mit einer Rundreise durch Vietnam verbinden. Als langjähriger und professioneller Reiseveranstalter bietet Studiosus mehrmals jährlich durchgeführte Kombinationsreisen nach Vietnam und Kambodscha an. Alternativ hat das Münchener Reiseunternehmen

auch eine Reise auf den Spuren der Khmer von Phimai in Thailand über den Wat Phou in Laos und weitere

wichtige Stationen nach Angkor im Angebot.

 

Bilder  von: PerfectLazybones - Fotolia.com / BananaRepublic - Fotolia.com / jdavenport85 - Fotolia.com

 

 

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