DREI MINUTEN

29.08.2016

 

Oftmals sind es nur kurze Augenblicke im Leben, die über Sympathie oder Antipathie, Liebe oder Abneigung, Mitgefühl oder Ignoranz entscheiden. Uns sogar einen völlig neuen (Lebens-)Weg einschlagen lassen. Der Fotograf und ehemaliger Top-Manager Bernd Kolb gibt Besuchern seiner Ausstellung ATMAN sogar ganze drei Minuten um "zu fühlen" 

 

von Ivona Okanik ∙ Fotos: Bernd Kolb 

 

Sadhu und Bernd Kolb 

 

 

Bernd Kolb ist eine faszinierende Persönlichkeit, voller Elan und gefühlvoll-beharrlicher Konsequenz seiner fast schon missionarischen Aufgabe gegenüber. Ein Profi, der viel erlebt, erreicht, gesehen und ausprobiert hat. Ein Macher und Visionär, der sich trotzdem – oder gerade deshalb – vor knapp zehn Jahren einer kollosalen Herausforderung, dem Thema Nachhaltigkeit, gestellt hat. Je intensiver er in die Materie eintauchte, desto ernüchternder war das Resultat: "Wir fahren sehenden Auges gegen die Wand", so Kolb. Doch was tun, wenn Zahlen und Fakten weder Mitmenschen, noch die Regierung wachrütteln? Wenn kurzfristiges Denken und Gier, ein bewusstes Umdenken schier unmöglich macht? Dann die Erkenntnis: "Es ist eine Frage des Bewusstseins."

 

Auf der Suche nach "Veda" und den alten Weisheitslehren bereiste der Pionier Bernd Kolb ganz Asien – vom Himalaya bis Bali. In Yogyakarta, auf der indonesischen Insel Java – der kulturellen Hauptstadt, noch unentdeckt vom Tourismus und ein Ort des gesellschaftlichen Miteinanders, wurde er fündig und ließ sich dort schließlich nieder.

 

Als ich den subjektiv empfundenen Sinneswandel von ihm mit einer 360 Grad Wendung vergleiche, muss Bernd Kolb lachen. "Gut, dass Sie nicht 380 Grad gesagt haben, denn da müsste ich widersprechen. Aber ja, es ist damit vergleichbar. Ich habe eine Reise nach Innen und dann nach Außen gemacht. Deswegen bin ich kein anderer Mensch, jedoch reicher an Erfahrung. Und dieses Wissen möchte ich teilen. Denn was uns fehlt ist Mitgefühl. Das "Fühlen" ist etwas, was insbesondere europäischen Top-Managern schwer fällt. Das materiell orientierte Weltbild ist einfach zu stark in unserer Gesellschaft verankert."

 

Aufmerksam lausche ich seinen Worten und betrachte währenddessen das Bild "Sacred". "Wir müssen Fühlen lernen", hallt es in mir nach und prompt schießt mir der oft zitierte erste Grundsatz des Philosophen René Descartes "Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich.“ in den Sinn. Wieviel sinniger doch "Ich fühle, also bin ich" klingt. Und – beinflusst nicht eigentlich das Gefühl unser Denken und Handeln? 

 

Als könnte er meine Gedanken lesen, überrascht mich Kolb mit einem Erlebnis aus seiner Ausstellung ATMAN. "Die Ausstellung ist geführt, wobei den Besuchern bewusst drei stille Minuten für die Bildbetrachtung eingeräumt werden. Dabei traten manch einem "gestandenen Geschäftsmann" Tränen in den Augen. Das gibt Hoffnung." 

 

Bernd Kolb schafft es mit einer überaus ansteckenden Nonchalance ein solch tiefsinniges Thema, verankert in der Frage "Was bedeutet Mensch sein?", mit unglaublicher Leichtigkeit zu füllen. Es ist fesselnd, motivierend und ernüchternd zugleich. 

 

Es könnte eigentlich so einfach sein, wenn wir uns nicht selbst im Weg stehen würden, die eigenen Urinstinke zuzulassen respektive wieder zu erwecken, zu fühlen und konsequent danach zu handeln. ≡ 

 

ATMAN Ausstellung

Raum der Erfahrung

in der Malzfabrik Berlin

Ticketbestellung unter www.atman.de/tickets

 

Aufgrund der hohen Nachfrage wird die Ausstellung, ursprünglich vom 1. Juni bis bis 30. September 2016 laufend, bis zum 31. Dezember 2016 verlängert!

 

Den ganzen Artikel finden Sie in der HARVEST Ausgabe 2.16 ab Seite 12. 

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