IM UNIVERSUM DER DIAMANTEN

Sie sind Wertanlage, Liebhaberobjekte, Liebeszeugnis, Inbegriff des Luxus und Ausweis der verfeinerten Lebensart: Diamanten. DIVA, Home of Diamonds, ist die neue Attraktion in Antwerpen


Text: Dr. Dagmar Gold | Bilder: Frederik Beyens, DIVA


Schlangenförmige Brosche aus Gold und Silber, besetzt mit Diamanten, Rubin und Saphir,

Westeuropa, 1850-1890



Diamanten, facettenreich geschliffen, faszinieren durch ihr besonderes Lichtfeuer, das durch hohe Lichtbrechungen und hohe Dispersion hervorgerufen wird. Ihr Anblick löst Glücksgefühle beim Betrachter aus, denn die schnellen Hell-Dunkel-Wechsel wecken archaische Erinnerungen an das Licht, Ursprung allen Lebens. Aus wissenschaftlicher Sicht ist ein Diamant lediglich die kubische Modifikation des Kohlenstoffs und als natürlicher Feststoff ein Mineral aus der Mineralklasse der Elemente. Diamanten bilden meist oktaederförmige Kristalle und kommen entweder in der sehr seltenen transparenten Erscheinung oder in vielen verschiedenen Farbnuancen durch Vermischungen mit Stickstoff oder Bor beispielsweise oder aufgrund Kristallgitterdefekte vor. Farbige Diamanten werden als natural fancy stones bezeichnet. Rot ist die absolut seltenste Erscheinungsform und hochbegehrt. Ein Diamant ist sprichwörtlich der härteste natürliche Stoff und kann nach dem Spalten durch eine Stahlklinge nur durch Diamantenwerkzeuge bearbeitet werden. Der Schleifer setzt den Diamanten, der sich auf dem Reibstab befindet, vorsichtig an einem anderen Diamanten, der wiederum auf einem Spannfutter montiert ist. In der folgenden Phase, dem Kreuzerschliff, werden die Facetten des Steins gestaltet, meist von verschiedenen Personen. Der Diamant wird mit einer Zange gehalten und gegen eine Stahlplatte oder Scheibe gedrückt, die mit Diamantstaub von ungefähr einem Karat überzogen ist. Der Diamantstaub ist mit einem Kleber aufgebracht worden, der den Staub beim Trocknen auf der Scheibe haften lässt. Die Scheibe dreht sich mit 3000 bis 4000 Umdrehungen pro Minute. Die anschließende Politur vollendet den Brillanten. Erst durch raffinierte und hochkomplizierte Schlifftechnik mit bis zu 57 Facetten oder mehr verwandelt sich ein Rohdiamant zum strahlenden Objekt der Begierde. Die vier C kennzeichnen die Qualitätsmerkmale und damit den Wert eines Diamanten: Color (Farbe), Clarity (Reinheit), Cut (Schliff) und Carat (Karat, gemessen in Einheit von 0,2 g). 2006 wurde in den hohen Bergen des Königsreichs Lesotho im südlichen Afrika eine außerordentliche Rarität entdeckt – ein riesiger Diamant von sagenhaften 603 Karat, der als Lesotho Promise berühmt wurde. Dieser zehntgrößte weiße Diamant der Welt wurde von dem Unternehmen Graff Diamonds erworben. „Ich halte buchstäblich ein Stück Geschichte in meinen Händen“, bemerkte Laurence Graff. Es folgten viele Monate der genauen Analyse und Prüfung, wobei ein Team von 35 Personen mit der neuesten Computertechnologie jeden Aspekt des Steins untersuchten, um sein Potenzial beim Schneiden zu maximieren. Dann erarbeiteten sie die beste Kombination von Schliffen, um eine optimale Ausbeute und Schönheit zu erzielen. Schließlich entstand die Lesotho Promise Halskette mit 223,35 Karat.



Pfauenbrosche mit Diamant, Saphir, Smaragd, Rubin und Perlen – Gustave Baugrand zugeschrieben,

Frankreich, ca. 1867

Diamanten sind uralt. Diamantenbildung fand zu verschiedenen Erdzeitaltern statt, und nicht selten werden welche auf mehr als drei Milliarden Jahre datiert, der älteste bekannte Diamant auf 4,25 Milliarden Jahre. Für die Schmuckproduktion geeignete Diamanten bilden sich nur im Erdmantel unter hohen Drücken und Temperaturen zwischen 250 und 800 Kilometer Tiefe und bei Temperaturen von 1.200 bis 1.400 Grad Celcius. Durch Eruption beispielsweise gelangen Rohdiamanten in obere Erdschichten. Diamantvorkommen gibt es weltweit, die größten befinden sich in Sibirien, Brasilien, Kanada und Afrika. Trotzdem werden Diamanten knapp, insbesondere hochqualitative von ausreichender Größe, die für die Schmuckherstellung geeignet sind.


Liebhaber von Diamanten haben ein neues Ziel: DIVA, ein Museum für und über Diamanten und für Schmuck und Silber in Antwerpen. Antwerpen gilt als Diamantenhauptstadt der Welt, wo 80 % der Rohdiamanten in drei der großen Diamantenbörsen im Stadtzentrum gehandelt werden. Im Diamantenviertel haben sich zahlreiche Juweliere eingerichtet, und nirgendwo sonst sind Diamantenexperten und hochspezialisierte Handwerke so konzentriert vertreten wie hier. Außerordentliche Schliffqualität, gleichbleibendes Niveau und ständige Suche nach Innovationen in der Diamantenverarbeitung gelten weltweit als einzigartig. Antwerpen war schon im 16. Jahrhundert ein berühmtes Diamantenzentrum, begünstigt durch den großen Binnenhafen der Schelde. Obwohl das moderne Diamantenschleifen Mitte des 15. Jahrhunderts in Brügge erfunden wurde, haben Antwerpener Spezialisten die Schlifftechnik perfektioniert. Nach der Teilung der Niederlande wenige Jahrzehnte später beherrschten schließlich Händler aus London und Amsterdam den lukrativen Diamantensektor. Erst im 20. Jahrhundert konnte Antwerpen seine weltweite Bedeutung als Diamantenstadt durch den Fokus auf Diamanten von allererster Qualität, exzeptioneller Schlifftechnik, steter Innovation und erstklassigem Schmuckangebot wiedererlangen.


2018 entstand mit Unterstützung der Stadt Antwerpen, der Shanghai Diamond Exchange, dem AWDC Antwerpener Welt-Diamantenzentrum und dem Materialtechnologie-Unternehmen Umicore im historischen Stadtzentrum zwischen Grote Markt und dem Fluss Schelde nur folgerichtig das „brillante“ Museum DIVA. Ein thematischer Ausstellungspfad nimmt Besucher mit auf eine Reise durch die Diamantengeschichte Antwerpens, von der illustren Vergangenheit bis zu beeindruckenden Objekten und Handwerksleistungen der Gegenwart. Rund 600 Objekte aus der Sammlung von DIVA werden dort präsentiert. Seit ihrer Eröffnung fasziniert die Kultureinrichtung durch spannende, faktenreiche Museumspräsentationen zu Historie, Herkunft, Handel, Ethik, Verwendung und Handwerkskunst. Gezeigt werden authentische Diamant-, Schmuck- und Silberobjekte, zu denen Geschichten von Luxus, Emotionen und auch Verbrechen erzählt werden. Das Museum ist in sechs Themenbereiche gegliedert. Ein historisches Esszimmer inszeniert adligen Luxus bei Tisch. Spektakulär ist die zeitgemäße Interpretation einer Wunderkammer – ein Begriff aus der Renaissance – mit temporären Leihgaben von wechselnden Gastkuratoren, derzeit der Kunsthändler Axel Verwoordt. Diamantenwissen wird auf unterhaltsame und spannende Weise in Bild und Ton, auch interaktiv an Touch- Tone-Monitoren, vermittelt. Weitere Ausstellungsräume beherbergen das Atelier, den internationalen Handelssaal, den Speisesaal, das Boudoir und schließlich das Gewölbe, ein Tresorraum, in dem die Geschichten der Diamantenverbrechen erzählt werden.


Bei der kommenden Ausstellung: „Meisterwerke in Miniatur: Schätze der Sammlung Rosalinde und Arthur Gilbert“, die vom 5. März 2021 bis 6. Juni 2021 im DIVA Museum Antwerpen zu sehen sein wird, ist DIVA der erste Ausstellungsort in Europa. Die spektakuläre Wanderausstellung mit Meisterwerken und Schätzen aus der Sammlung Rosalinde und Arthur Gilbert wurde organisiert vom Victoria & Albert Museum in London. Die Sammlung umfasst einige der schönsten Objekte, die jemals hergestellt wurden, viele davon aus kostbaren Materialien und oft in kleinem Maßstab. Sie ist berühmt für europäische und britische Meisterwerke, darunter Gold und Silber, Golddosen, bemalte Emaille und Mosaiken. Ihre Leidenschaft für kostbares Kunsthandwerk veranlasste Sir Arthur Gilbert und seine erste Frau Rosalinde die allerbesten Objekte für ihre Sammlung zu erwerben, die seit 2008 Bestandteil des Londoner Museums ist.

DIVA, DIE ANTWERPENER HEIMAT DER DIAMANTEN

Sechs Themenräume sind mit Sets, Soundscapes, Multimedia und interaktiven Displays ausgestattet, die in jedem eine andere Geschichte lebendig werden lassen und so die Besucher einbeziehen. Das DIVA-Museum umfasst einen Museumsshop und ein Geschäft mit hochwertigem Schmuck und Juwelen.


DIVA, Antwerpen Home of Diamonds

Suikerrui 17-19, BE- 2000 Antwerpen

divaantwerp.be


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