WASSER UND MÜLL


Ein effizientes Abfallrecycling, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, oder Maßnahmen gegen die Vermüllung der Weltmeere: Menschen sind auf eine funktionierende Wasser- und Abfallinfrastruktur angewiesen. In den nächsten Jahren sind global Investitionen in Billionenhöhe erforderlich, um die Infrastruktur auszubauen und zu erneuern. Versorger, Entsorger aber auch Industrie- und Technologieunternehmen rund um die Wasser- und Abfallwirtschaft sollten davon profitieren.

Text: Bertrand Lecourt, Fondsmanager bei Fidelity International

Dass das Wasser- und Abfallmanagement immer wichtiger wird, liegt vor allem am Bevölkerungswachstum, der anhaltenden Urbanisierung und strengeren Umweltauflagen. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben – das sind cirka 2,5 Milliarden mehr als heute. Prognosen zufolge wohnen dann mehr als zwei Drittel der Menschen in Städten, wo das Abfallproblem besonders gravierend ist. So geht die Solid Waste Association davon aus, dass 2050 weltweit bis zu zehn Millionen Tonnen Abfall täglich anfallen. Aktuell sind es rund sieben Millionen Tonnen. Die größten Müllproduzenten finden sich in Industrienationen. Während in bevölkerungsreichen Regionen wie China und Indien noch relativ wenig Abfall pro Einwohner anfällt, produziert jeder Mensch hierzulande mehr als 600 Kilogramm pro Jahr. Damit liegt der Prokopfverbrauch in Deutschland über dem in Frankreich, Italien und den Niederlanden.

Eine ähnlich große Herausforderung sind die Wasserversorgung und das Abwassermanagement. Während die Wasserinfrastruktur in Schwellen- und Entwicklungsländern noch auf- und ausgebaut werden muss, ist sie in Industrienationen in vielen Fällen erheblich in die Jahre gekommen. So sind auch dort Investitionen zur Instandhaltung oder für neue Anlagen nötig.

WASSERVERBRAUCH – WIEVIEL WASSER VERBRAUCHT WIRD FÜR...

Je vermögender die Bevölkerung, desto mehr wasserintensive Ressourcen werden verbraucht

MEHR PLASTIK ALS FISCHE IM MEER BIS 2050 PROGNOSTIZIERT(1)

Größerer Bedarf an einer besseren Entsorgung von Plastikmüll in Küstengebieten

Source: Fidelity International; Plastics Europe; ICIS Supply and Demand; IEA World Energy Outlook (2015) global GDP projection 2013–2040, assumed to continue to 2050; Ocean Conservancy and McKinsey Center for Business and Environment, Stemming the Tide: Land-based strategies for a plastic-free ocean (2015); J. R. Jambeck et al., ‘Plastic waste inputs from land into the ocean’, Science (13 February 2015); IEA World Energy Outlook 2015 central ‘New Policies’ scenario oil demand projection 2014-2040, assumed to continue to 2050; J. Hopewell et al., ‘Plastics recycling: Challenges and opportunities’, Philosophical Transactions of the Royal Society B, 2009; IEA CO2 emissions from fuel combustion (2014); IEA World Energy Outlook Special Report: Energy and Climate Change (2015); Carbon Tracker Initiative, Unburnable Carbon (2013). 1 Fish stocks are assumed to be constant (conservative assumption). 2 Total oil consumption expected to grow slower (0.5% p.a.) than plastics production (3.8% until 2030 then 3.5% to 2050). 3 Carbon from plastics includes energy used in production and carbon released through incineration and/or energy recovery after-use. The latter is based on 14% incinerated and/or energy recovery in 2014 and 20% in 2050. Carbon budget based on 2 degrees scenario.

ENDLICHE RESSOURCE WASSER

Daneben wird die Ressource Trinkwasser immer knapper. Einer Studie von McKinsey zufolge verbraucht die Menschheit heute täglich 4.500 Kubikkilometer Wasser. Im Jahr 2030 soll der Bedarf auf 6.900 Kubikkilometer Wasser steigen. Das meiste Wasser wird in der Landwirtschaft verbraucht, auf die rund zwei Drittel des globalen Wasserbedarfs entfällt. Dabei lässt der wachsende Wohlstand in Schwellenländern den Verbrauch weiter steigen. Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr – und zwar Produkte, für deren Produktion viel Wasser anfällt. So benötigt man beispielsweise für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts rund 2.700 Liter Wasser – eine Folge der ineffizienten Bewässerungstechnik auf vielen Baumwollplantagen. Auch in einer Tasse Kaffee stecken mit rund 140 Liter mehr als ein durchschnittlicher Mensch hierzulande pro Tag verbraucht.

Außerdem ist Trinkwasser eine endliche Ressource, und nur ein Prozent des Wasservorkommens ist für Menschen nutzbar. Der Rest ist Salzwasser oder in Gletschern gebunden. Während sich Bewohner auf der Nordhalbkugel noch wenig Gedanken über Wasserknappheit machen müssen, haben Menschen in den BRIC-Staaten zusehends damit zu kämpfen. Über zwei Milliarden Menschen sollen dort im Jahr 2030 von extremem Wasserstress betroffen sein.

RELATIVE WERTENTWICKLUNG

Wasser- und Abfallindizes im Vergleich zum MSCI All Country World Index

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftigen Ergebnisse.

Source: Fidelity International, Bloomberg, 31 July 2019. Waste Index represents BNP Paribas Global Waste Management Index, Water Index represents S&P Global Water index. All indices represent total returns in USD.

MÜLL – WERTVOLLER ROHSTOFF

All das birgt aber auch Chancen für Unternehmen, die im Wasser- und Abfallmanagement tätig sind – und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese reichen von Wasserquellen, aus denen mithilfe von Pumpen und Filtern Wasser gewonnen und gereinigt wird, bis hin zu Wasserspeichern und Wiederaufbereitungsanlagen, und von der Kontrolle der Wasserqualität, bis hin zu effizienteren Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft. In der Abfallwirtschaft gewinnt zudem das Recycling schnell an Bedeutung, wobei Müll immer mehr zu einem wertvollen Rohstoff wird.

INVESTMENT IN WASSER UND MÜLL

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch auf den Finanzmärkten wider. Seit 1990 ist die Zahl der investierbaren Aktien in den Bereichen Wasser- und Abfallmanagement von 30 auf 300 gestiegen. Während die meisten Wasserfonds monothematisch gemanagt werden, bietet die Kombination der Anlagethemen Wasser und Abfall einen Mehrwert. Hintergrund ist, dass die Aktien der beiden Segmente nur gering miteinander korreliert sind. Der Bereich Wasser umfasst beispielsweise viele Versorger, die gerade in volatilen Marktphasen wegen ihrer defensiven Eigenschaften Potenzial haben. Hingegen bieten die für den Abfallsektor typischen Maschinenbauer oder Spezialrecycling-Unternehmen bei boomenden Börsen gute Perspektiven. Um Anlegern den Zugang zu diesen aussichtsreichen Anlagesegmenten zu ebnen, hat Fidelity den Sustainable Water und Waste Fund aufgelegt, bei dem auch ökologische, soziale und ethische Aspekte berücksichtigt werden.

ÄHNLICHE BEITRÄGE